Bericht: 1. Veranstaltung der Hamborner Rathaus-Vorträge
Im Jahr 2026 beginnt eine neue Vortragsreihe, die der stellv. Vorsitzende unseres Heimatvereins, Thorsten Fischer, ins Leben gerufen hat. In enger Kooperation mit dem Hamborner Bezirksmanager Andreas Geisler und der Kulturmanagerin Kerstin Keutel sollen im Sitzungssaal des Hamborner Rathaus regelmäßig V orträge zur Hamborner Geschichte und Kulturveranstaltungen stattfinden.
Am 7. Mai fand die erste Veranstaltung im Rahmen der neuen Reihe „Hamborner Rathaus-Vorträge“ statt. Der Sitzungssaal des Hamborner Rathauses füllte sich rasch mit unseren Mitgliedern und zahlreichen weiteren interessierten Zuhörerinnen und Zuhörern. In seinem Vortrag widmete sich der Historiker Thorsten Fischer
dem Thema „Arbeit, Wohnen, Nachbarschaft: Das Dichterviertel in Duisburg- Obermarxloh“. Unser stellvertretender Vorsitzender zeichnete zunächst die Entwicklung Hamborns nach, die eng mit Industrialisierung, Bergbau und Werkswohnungsbau verbunden ist. Der rasche Aufstieg Hamborns vom größten Dorf im Kaiserreich zur Großstadt wurde dabei vor allem am Beispiel des Thyssen-Bergbaus deutlich.
In einem zweiten Teil ging es um die Wohnungsnot und den Bau der ersten Arbeitersiedlungen. Durch den starken Zuzug von Arbeitskräften entstanden neue Wohngebiete in unmittelbarer Nähe der Zechen und Hüttenwerke. Das Dichterviertel wurde größtenteils zwischen 1902 und 1914 für Bergleute der Schachtanlage „Friedrich Thyssen I/VI“ errichtet und gilt als größte Duisburger Arbeitersiedlung. Seinen Namen erhielt es durch Straßennamen wie Goethe-, Schiller-, Körner-, Kleist- oder Uhlandstraße. Die Siedlung zeigt einen regelmäßigen Grundriss mit rechtwinkligen Straßen und überwiegend zwei- bis dreigeschossigen Mehrfamilienhäusern. Zugleich sorgten Eckbauten, unterschiedliche Fassaden, Fensterformen, Putz- und Klinkerflächen sowie Jugendstilornamente für architektonische Abwechslung.
Bereits in der ersten Bauphase entstand 1903/04 an zentraler Stelle die katholische Kirche St. Norbert. Das am Goetheplatz gelegene Gotteshaus entwickelte sich rasch zum religiösen Mittelpunkt in der Kolonie. Der Vortrag machte zudem deutlich, dass das Leben in der Kolonie von Nähe zur Arbeit, bezahlbarem Wohnraum und Nachbarschaft geprägt war, zugleich aber auch von Abhängigkeit, Kontrolle und beengten Wohnverhältnissen.
Da das Dichterviertel zudem als „rotes Viertel“ galt, konzentrierte sich der letzte Abschnitt auf den Kampf zwischen SA und Kommunisten Anfang der 1930er Jahre im „Goetheviertel“. Dass es auch Widerstand gegen die Nationalsozialisten gab, zeigte Fischer eindrücklich am Schicksal des Bergarbeiters Kurt Spindler, der in der Kleiststraße wohnte und im KZ ermordet wurde. Da die erste Veranstaltung ein so großer Erfolg war, wird die Reihe in diesem Jahr mit weiteren Vorträgen fortgesetzt.
Der Vorstand des Heimatvereins dankt allen, die an der Veranstaltung teilgenommen haben.










